4. März 2010
 

Typ-1-Diabetes mellitus: Leptin statt Insulin

   

Ein Typ-1-Diabetes mellitus lässt sich auch ohne Insulin erfolgreich behandeln. Dies zeigen US-Forscher in den Proceedings of the National Academy of Sciences (2010; doi: 10.1073/pnas.0909422107) an Versuchstieren. Bei Mäusen mit Typ-1-Diabetes mellitus senkten sie den Blutzuckerspiegel durch das Hormon Leptin ebenso zuverlässig wie mit Insulin. Für Patienten könnte eine Kombinationstherapie mit beiden Hormonen vorteilhaft sein.

Aus diabetologischer Sicht sind die Experimente der Arbeitsgruppe um Roger Unger vom Southwestern Medical Center in Dallas eine kleine Sensation. Denn bisher ging man davon aus, dass Typ-1-Diabetiker ohne Insulin nicht überleben können. Nur der 1922 erstmals durchgeführten Substitution ist es verdanken, dass aus dem tödlichen Insulinmangel eine chronische Erkrankung wurde.

Dass Leptin ebenfalls den Blutzucker stabilisieren kann, hat Unger dem Vernehmen nach per Zufall entdeckt. Der Diabetesforscher experimentierte mit Inselzelltransplantaten. Leptin, so hoffte er, könnte die Ergebnisse irgendwie verbessern. Denn das 1994 in Fettzellen entdeckte Proteohormon teilt dem Gehirn nicht nur mit, dass die Energiespeicher gefüllt sind, was zur Sättigung führt – außer bei Adipösen, die oft eine Leptinresistenz haben.

Leptin wirkt auch auf die Leber. Dort hemmt es die Wirkung von Glucagon. Glucagon, der “Gegenspieler” des Insulins, fördert in der Leber den Abbau der Glykogenspeicher. Dadurch steigt der Blutzucker. Leptin verhindert dies. Wie Insulin senkt es den Blutzucker. Dies war in den Experimenten zur Überraschung des Forschers auch dann der Fall, wenn die Tiere keine Inselzelltransplantate erhalten hatten, also kein Insulin produzierten.

In weiteren Experimenten war die Monotherapie mit Leptin der konventionellen Insulintherapie gleichwertig: Die Auswirkung auf die HA1c-Werte waren sogar tendenziell besser. Was für Diabetologen sicherlich spektakulär ist, würde für den Patienten auf den ersten Blick keine Vorteile bringen. Denn als Proteohormon muss Leptin parenteral appliziert werden. Es bliebe also bei regelmäßigen subkutanen Injektionen und auch die lästigen Blutzuckerkontrollen würden nicht wegfallen.

Langfristig könnte die Kombinationstherapie mit Insulin plus Leptin für Diabetiker vorteilhaft sein. Leptin könnte nämlich die nachteiligen Wirkungen von Insulin auf den Fettstoffwechsel aufheben: Insulin fördert bekanntlich die Bildung von Fettsäuren, Leptin baut die Fettspeicher ab.

Und dass es den Appetit zügelt, dürfte auch für die häufig übergewichtigen Patienten mit Typ-2-Diabetes mellitus interessant sein. Die mit Leptin behandelten Tiere waren jedenfalls leichter als unter einer Insulinmonotherapie.

Die Forscher kündigten an, dass sie sich um die Durchführung klinischer Studien bemühen wollen. Dort wird sich zeigen, ob die Leptintherapie (vermutlich in Kombination mit Insulin) auf den Menschen mit Diabetes die gleiche Wirkung hat wie bei der Maus.

Quelle: www.aerzteblatt.de
 

   

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