|
|
|
Ein Typ-1-Diabetes mellitus lässt sich auch
ohne Insulin erfolgreich behandeln. Dies
zeigen US-Forscher in den Proceedings of the
National Academy of Sciences (2010; doi:
10.1073/pnas.0909422107) an Versuchstieren.
Bei Mäusen mit Typ-1-Diabetes mellitus
senkten sie den Blutzuckerspiegel durch das
Hormon Leptin ebenso zuverlässig wie mit
Insulin. Für Patienten könnte eine
Kombinationstherapie mit beiden Hormonen
vorteilhaft sein.
Aus diabetologischer Sicht sind die
Experimente der Arbeitsgruppe um Roger Unger
vom Southwestern Medical Center in Dallas
eine kleine Sensation. Denn bisher ging man
davon aus, dass Typ-1-Diabetiker ohne
Insulin nicht überleben können. Nur der 1922
erstmals durchgeführten Substitution ist es
verdanken, dass aus dem tödlichen
Insulinmangel eine chronische Erkrankung
wurde.
Dass Leptin ebenfalls den Blutzucker
stabilisieren kann, hat Unger dem Vernehmen
nach per Zufall entdeckt. Der
Diabetesforscher experimentierte mit
Inselzelltransplantaten. Leptin, so hoffte
er, könnte die Ergebnisse irgendwie
verbessern. Denn das 1994 in Fettzellen
entdeckte Proteohormon teilt dem Gehirn
nicht nur mit, dass die Energiespeicher
gefüllt sind, was zur Sättigung führt –
außer bei Adipösen, die oft eine
Leptinresistenz haben.
Leptin wirkt auch auf die Leber. Dort hemmt
es die Wirkung von Glucagon. Glucagon, der
“Gegenspieler” des Insulins, fördert in der
Leber den Abbau der Glykogenspeicher.
Dadurch steigt der Blutzucker. Leptin
verhindert dies. Wie Insulin senkt es den
Blutzucker. Dies war in den Experimenten zur
Überraschung des Forschers auch dann der
Fall, wenn die Tiere keine
Inselzelltransplantate erhalten hatten, also
kein Insulin produzierten.
In weiteren Experimenten war die
Monotherapie mit Leptin der konventionellen
Insulintherapie gleichwertig: Die Auswirkung
auf die HA1c-Werte waren sogar tendenziell
besser. Was für Diabetologen sicherlich
spektakulär ist, würde für den Patienten auf
den ersten Blick keine Vorteile bringen.
Denn als Proteohormon muss Leptin parenteral
appliziert werden. Es bliebe also bei
regelmäßigen subkutanen Injektionen und auch
die lästigen Blutzuckerkontrollen würden
nicht wegfallen.
Langfristig könnte die Kombinationstherapie
mit Insulin plus Leptin für Diabetiker
vorteilhaft sein. Leptin könnte nämlich die
nachteiligen Wirkungen von Insulin auf den
Fettstoffwechsel aufheben: Insulin fördert
bekanntlich die Bildung von Fettsäuren,
Leptin baut die Fettspeicher ab.
Und dass es den Appetit zügelt, dürfte auch
für die häufig übergewichtigen Patienten mit
Typ-2-Diabetes mellitus interessant sein.
Die mit Leptin behandelten Tiere waren
jedenfalls leichter als unter einer
Insulinmonotherapie.
Die Forscher kündigten an, dass sie sich um
die Durchführung klinischer Studien bemühen
wollen. Dort wird sich zeigen, ob die
Leptintherapie (vermutlich in Kombination
mit Insulin) auf den Menschen mit Diabetes
die gleiche Wirkung hat wie bei der Maus.
Quelle:
www.aerzteblatt.de
|