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Gesunde Menschen können einen zwanghaften
Wunschtraum entwickeln: die Amputation eines
Arms oder Beins. Die Betroffenen wissen, wie
absurd der Wunsch ist; doch er lässt sich
nicht unterdrücken, sondern nur
verheimlichen. Unter dem BIID-Syndrom leiden
mehr Menschen als bisher angenommen.
Wissenschaftlerinnen der Universität
Frankfurt haben jetzt erstmals das gesamte -
doch insgesamt bescheidene - Wissen zum
Thema in einer Monografie zusammengetragen:
"Body Integrity Identity Disorder -
Psychological, Neurobiological, Ethical and
Legal Aspects".
BIID-Betroffene phantasieren die
verschiedensten Varianten, wie durch die
Abtrennung von Gliedmaßen der Körper zu
vervollständigen sei. Alternativ binden
einige einen Arm an den Körper oder ein Bein
an das andere und kleiden sich wie
Amputierte; doch auch bei dieser
Ersatzhandlung ("Pretending") bleibt der
Wunschtraum schmerzlich unerfüllt und die
Absurdität voll bewusst: Betroffene sind
häufig intelligente, realistische und
beruflich erfolgreiche Männer. Bei
BIID-Persönlichkeiten werden in der Mehrheit
keine weiteren psychischen oder physischen
Abweichungen von der Normalbevölkerung
gesehen. Lediglich die körperlichen
Reaktionen auf emotionaler Basis sind häufig
verstärkt. In dem inhomogenen Bild des
Syndroms scheinen drei Komponenten in
Kombinationen oder auch einzeln relevant:
Für die Mehrheit der Betroffenen ist eine Amputation
sexuell besetzt; einen Amputationsstumpf empfinden
viele als stimulierend und attraktiv. Häufig suchen
BIID-Betroffene die Nähe von Amputierten und werden
mit ihnen intim. Die Bewunderung für Amputierte ist
allen BIID-Betroffenen gemeinsam: eine hohe
Anerkennung für gemeisterte Schicksale und
überdurchschnittliche Lebenskraft.
In einem Interview gibt ein Betroffener gleich
sieben "Aspekte" für seinen Amputationswunsch an:
-
um niemals auch nur einen Schritt ohne Krücken tun
zu können
-
um das elegante Schwingen eines zügigen Gangs mit
Krücken zu erleben
-
um die unglaubliche Einmaligkeit eines Lebens nach
Amputation zu spüren
-
um das befriedigende Gefühl zu entwickeln, ein
Leben mit großem Handicap zu meistern
-
um der Herausforderung gewachsen zu sein
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um sich mit anderen Amputierten zu treffen
-
um die Asymmetrie des eigenen Körpers zu erleben
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