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Der aktuelle Leitartikel der
Konflikt-Spezialausgabe stellt fest, dass
viele Hilfsorganisationen oftmals nur im
Sinne ihres Eigeninteresses handeln, statt
im Sinne der Menschen, denen zu helfen sie
vorgeben.
Während sich der Leitartikel zwar auch der
Rolle von Politikern und Medien in
Krisensituationen wie dem Erdbeben auf Haiti
widmet, so konzentriert er doch seine
Aufmerksamkeit auf den Hilfesektor,
mittlerweile zweifellos ein Industriezweig
mit eigenen Gesetzen. Der Leitartikel
bemerkt: "Große Hilfs- und humanitäre
Organisationen stehen häufig in harter
Konkurrenz zueinander. Belastet durch
interne Machtpolitik und die abstoßend
wirkenden Charakteristika vieler
Großkonzerne, können große
Hilfsorganisationen auf Grund ihrer eigenen
Bemühungen um Spendenaufrufe von ihrer
Kapitalbeschaffung geradezu besessen sein.
Die Berichterstattung in den Medien als
Selbstzweck ist nur allzu oft ein Ziel ihrer
Aktivitäten. Vermarktung und Markenpolitik
weisen ein überhöhtes Profil auf. Das
Schlimmste ist möglicherweise, dass die
Fürsorgemaßnahmen im Einsatzgebiet manchmal
mit dem geringen Zusammenwirken zwischen den
Agenturen konkurrieren, darunter die
kleineren Wohlfahrtsverbände an der Basis,
die sogar bessere Netzwerke in den
betroffenen Ländern vorhalten können und
somit in der Lage sind, unmittelbar
Nothilfemaßnahmen einführen zu können."
Der Leitartikel folgert: "Angesichts der
fortschreitenden Krise auf Haiti erscheint
es unstatthaft, Motive und Aktivitäten der
humanitären Organisationen zu hinterfragen
und zu kritisieren. Aber wie jede andere
Industrie auch muss diese Hilfeindustrie
untersucht werden, nicht nur unter
finanziellen Aspekten, wie es gegenwärtige
Praxis ist, sondern auch hinsichtlich der
Vorgehensweisen von den
Entscheidungszentralen aus hinunter bis zu
den Einsatzgebieten. Obwohl viele
Hilfsorganisationen wertvolle Arbeit
leisten, steht bei vielen Organisationen der
Hilfeindustrie humanitäres Handeln als
Grundprinzip nicht mehr an erster Stelle.
Für die Menschen auf Haiti und jene, die in
vergleichbaren Situationen der Zerstörung
leben, muss humanitäres Handeln
wesentlichstes Motiv und Zweck für
Interventionen bleiben."
Quelle: The Lancet. Growth of aid and the
decline of humanitarianism. Lancet 2010;
375: 253
http://www.thelancet.com
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