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Die Wirksamkeit von
Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) hängt
von der Zahl der sogenannten Autorezeptoren
auf serotinergen Neuronen in den
Raphe-Kernen des Hirnstamms ab. Dies belegen
tierexperimentelle Studien in Neuron (2010;
doi: 10.1016/j.neuron.2009.12.003).
Die meisten Forscher erklären die Depression
heute durch das Zusammentreffen von
belastenden Lebensereignissen mit
prädisponierenden biologischen Faktoren. Zu
letzteren gehört die Bildung von Serotonin
in den Raphe-Kernen des Hirnstamms.
Die Transmitter wirken einmal über
Autorezeptoren auf die Neurone selbst. Diese
Rezeptoren sollen den Tonus der
Serotoninfreisetzung steuern. Zum anderen
wirkt Serotonin in verschiedenen
Hirnregionen auf die Heterorezeptoren
anderer Neurone.
Hirnforscher der Columbia University in New
York haben jetzt transgene Mäuse geschaffen,
bei denen gezielt die Bildung der
Autorezeptoren an- oder ausgeschaltet werden
kann. Diese Manipulation hatte einen
signifikanten Einfluss auf die Wirkung der
SSRI.
Sie wurde mit einem Test untersucht, bei dem
die Tiere ihre Nahrung in einem hell
ausgeleuchteten Teil des Käfigs suchen
müssen, was die von Natur aus ängstlichen
Tiere vermeiden. Unter der Behandlung mit
SSRI verlieren die Tiere aber ihre Scheu.
Nach den Experimenten der Gruppe um Rene Hen
veränderten die SSRI das Verhalten der Tiere
allerdings nur, wenn die Autorezeptoren
ausgeschaltet waren. Wurden die
Autorezeptoren bei den gleichen Tieren
angeschaltet, verloren die SSRI ihre
Wirkung.
Dies bestätigt die Ergebnisse klinischer
Studien, in denen Patienten mit einer hohen
Dichte von Serotonin-Rezeptoren in der Raphe
häufig nicht auf SSRI ansprechen. Die
Erkenntnisse könnten einerseits genutzt
werden, um die Ansprechrate von SSRI
vorherzusagen.
Dazu müsste die Konzentration der
Serotoninrezeptoren in den Raphe-Kernen
bestimmt werden, was mit der
Positronenemissionstomographie (PET) zwar
möglich, wegen der hohen Kosten aber nicht
praktikabel ist.
Zum anderen könnte nach Medikamenten gesucht
werden, die selektiv die Autorezeptoren
blockieren. Sie könnten wie im Tiermodell
das Ansprechen der SSRI-Behandlung
verbessern. Ein Bedarf an derartigen
Wirkstoffen ist vorhanden, da die SSRI
derzeit nur bei jedem zweiten Patienten die
Depressionen lindern.
Quelle:
www.aerzteblatt.de
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