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Von Schmerzmitteln über Asthmapräparate bis
zu Anabolika wird alles zur
Leistungssteigerung eingesetzt. Ebenso wie
Spitzenathleten greifen auch viele
Freizeitsportler zu allem, was der
Dopingmarkt bereithält. Dies hat eine
Untersuchung in Deutschland ergeben.
Regelmäßiges Doping ist längst kein Phänomen
des Spitzensports mehr. Mehr als eine
Million Freizeitsportler in Deutschland
begehen mittlerweile Medikamentenmissbrauch,
um ihre Fitness zu steigern oder ihrem
Körper die gewünschte Optik zu verschaffen,
davon ist der Sportwissenschafter Mischa
Kläber von der TU Darmstadt überzeugt. Für
seine kürzlich abgeschlossene, aber noch
nicht veröffentlichte Doktorarbeit hat er
eine Vielzahl von Interviews mit Mitgliedern
von Fitnessstudios geführt,
Polizeiprotokolle gelesen sowie während
Monaten einschlägige Internetforen
beobachtet.
Doch Doping ist keineswegs auf
Fitnessstudios beschränkt, wie Ernst Jakob
von der Sportklinik Hellersen in
Nordrhein-Westfalen durch eine Befragung von
Marathonläufern und Radfahramateuren
herausfand. Dabei gaben nämlich 48 Prozent
der Antwortwilligen den Gebrauch von
Schmerzmitteln an.
Eine kurzfristige Einnahme dieser Mittel sei
zwar medizinisch kein Problem, betont Jakob.
Aber wenn man seinen Sport nur noch mit
Hilfe solcher Präparate schaffe, dann sei
das Medikamentenmissbrauch und auch
gefährlich. Denn so könnten aus unbeachteten
kleinen Verletzungen große entstehen.
Außerdem könnten viele Schmerzmittel bei
anhaltendem Gebrauch die Nieren schädigen.
Für Kläber ist die regelmäßige Einnahme von
Schmerzmitteln bereits die zweite Stufe auf
der Dopingleiter. Zuerst nähmen viele
Sportler erfahrungsgemäß
Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamine,
Mineralien oder spezielle Kohlenhydrat- und
Proteinmischungen ein. Bereits die Hälfte
der Schüler in Sportgymnasien konsumiere
derartige Präparate, ergänzt Jakob – obwohl
deren Nutzen fraglich sei.
Doch gerade den passionierten «Körpermodellierern»
genügten diese Mittel plus Training
irgendwann nicht mehr, erläutert Kläber.
Vermutlich jeder Dritte oder Vierte aus
dieser Gruppe beginne dann mit dem
regelmäßigen Konsum von Anabolika, zuerst
als Tablette, später als selbst verabreichte
Injektion. Diese dem männlichen Sexualhormon
Testosteron ähnelnden Substanzen führen zu
schnellem Muskelwachstum und vermehrtem
Fettabbau. Er habe im Rahmen seiner
Doktorarbeit Konsumenten von Anabolika
getroffen, die über viele Jahre hinweg
jährlich ein bis zwei mehrwöchige
«Spritzenkuren» mit solchen Mitteln gemacht
hätten – oftmals unter Kontrolle eines
Arztes. Dieser verschreibe die
Dopingsubstanzen nicht selten auch. Andere
Bezugsquellen seien Apotheken im Ausland,
aber auch das Internet oder der
Hinterhofdealer seien gängige Bezugsquellen,
vor allem für Neueinsteiger.
Wenn nicht viel Muskelmasse, sondern
Gewichtsverlust und/oder eine erhöhte
Leistungsbereitschaft das Ziel sind, werden
laut den Forschern oftmals – und ebenfalls
über Monate bis Jahre – Asthmamittel wie
Spiropent, aber auch Aufputschmittel wie
Ephedrin verwendet. Vor allem weibliche
Dopingsünder greifen laut Kläber bevorzugt
zu diesen körperfettsenkenden Mitteln.
Ungefähr 20 Prozent der dopenden
Fitnesssportler schreckten sogar vor der
Einnahme von Tierarzneimitteln, seien es
Hormonpräparate für Rinder oder Asthmamittel
für Pferde, nicht zurück, erzählt Kläber.
Denn diese Arzneien seien oft billiger und
einfacher zu bekommen. Die möglichen
Langzeitfolgen dieser wie anderer
Dopingsubstanzen – das Spektrum reicht von
Nieren- oder Leberschäden über
Brustveränderungen bis zur Gefahr eines
Kreislaufkollapses – würden dabei von vielen
Sportlern in Kauf genommen.
Quelle:
www.nzz.ch
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