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  04.08.2008
Bisheriger Vizepräsident Hassemer verabschiedet
Köhler ernennt Voßkuhle zum Verfassungsrichter
 

Bundespräsident Horst Köhler hat den Freiburger Juraprofessor Andreas Voßkuhle zum Bundesverfassungsrichter ernannt. Der 44-Jährige wurde Nachfolger des ausscheidenden Vizepräsidenten Winfried Hassemer und wird in zwei Jahren voraussichtlich Präsident des höchsten deutschen Gerichts. Jetzt müsse "aus dem erfolgreichen Hochschullehrer ein umsichtiger Richter werden", sagte Köhler bei der Überreichung der Ernennungsurkunde im Berliner Schloss Bellevue. Voßkuhle war am 25. April vom Bundesrat gewählt worden.


Amtsübergabe: Der bisherige Verfassungsrichter Hassemer, Bundespräsident Köhler und Hassemer-Nachfolger Voßkuhle (von links)

Voßkuhle war von der SPD vorgeschlagen worden, nachdem die Union den zunächst von den Sozialdemokraten nominierten Würzburger Staatsrechtler Horst Dreier nicht akzeptieren wollte. Das Vorschlagsrecht für Verfassungsrichter haben die Parteien. Diesmal lag es bei der SPD. Voßkuhle galt als Überraschungskandidat. SPD-Mitglied ist er nicht. Der Wissenschaftler ist seit 1. April Rektor der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg. Diese Position muss er nun aufgeben. Der in Detmold geborene Voßkuhle studierte in Bayreuth und München. Mit Mitte 30 wurde er zum Direktor des Instituts für Staatswissenschaft und Rechtsphilosophie an die Universität Freiburg berufen. Seine Schwerpunkte liegen im Verwaltungs- und Umweltrecht.


Ruhestand nach Verkündung des Awacs-Urteils

Köhler überreichte gleichzeitig dem 68-jährigen Hassemer die Entlassungsurkunde. Der frühere hessische Datenschutzbeauftragte war seit Mai 1996 Bundesverfassungsrichter und seit April 2002 Vizepräsident des Gerichts. Der Strafrechtsprofessor hätte eigentlich schon am 17. Februar mit Erreichen der Altersgrenze von 68 Jahren aus dem Amt scheiden können, musste aber wegen des Streits um seine Nachfolge bleiben.

Hassemers letzter Akt als Senatsvorsitzender war die Verkündung des Awacs-Urteils zu den Rechten des Bundestages bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr. In seiner knapp zwölfjährigen Amtszeit hatte Hassemer zahlreiche wichtige Verfahren als Berichterstatter maßgeblich vorbereitet. Dazu gehört das Urteil zur Überwachung mutmaßlicher Straftäter durch das satellitengestützte Ortungssystem GPS und die Entscheidung zur Strafbarkeit des Inzests, bei der Hassemer ein Sondervotum abgab.

Andreas Voßkuhle: Voßkuhle wurde 1963 in Detmold geboren. Er studierte in München und wurde für seine Doktorarbeit über den "Rechtsschutz gegen den Richter" mit dem Fakultätspreis ausgezeichnet. Später arbeitete er als Referent im Bayrischen Innenministerium und ist seit 1999 Professor an der Freiburger Albert-Ludwigs-Universität. Dort leitet er das Institut für Staatswissenschaft und Rechtsphilosophie und ist seit April Rektor der Universität. Voßkuhles Spezialgebiete sind Umweltrecht, Entbürokratisierung und Grundlagen des Verwaltungsrechts. Der 44-Jährige ist mit einer Juristin verheiratet. Sie ist Direktorin des Amtsgerichts Lörrach.

 


   

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