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Aktuelles |
| 28.05.2008 Online-Beratung und Seelsorge zur Arbeitswelt |
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Beim vorliegenden Band "B. Duve, B. Iserloh, M. Kastner (Hrsg.): mensch-arbeit.de – Beratung und Seelsorge zu Themen der Arbeitswelt im Internet" handelt es sich einerseits um die Dokumentation eines wissenschaftlich begleiteten und ausgewerteten Beratungsprojektes via Internet, andererseits um die Zusammenstellung grundlegenden Know-hows und vieler Praxishinweise für neue Beratungsangebote, die das Medium Internet nutzen (wollen). Inhaltlich geht es bei dem dokumentierten Projekt um arbeitsweltbezogene Beratung im weitesten Sinn. Mag sein, dass für Beratung und Seelsorge der Ansatz bei Themen der Arbeitswelt eher ungewöhnlich ist. Kirchliche Beratungsstellen sind in der Regel im Bereich der Ehe-, Familien- und Erziehungsberatung, des Gemeindelebens und der Spezial-Seelsorge angesiedelt. Andererseits: was soll daran überraschen, dass die gegenwärtigen Umbrüche in der Arbeitswelt mit ihren vielfältigen und wachsenden individuellen Herausforderungen zusätzliche und neue Formen der psychischen und sozialen Krisenintervention nach sich ziehen. Die herkömmlichen Varianten der Berufsberatung und Stellenvermittlung, des Bewerbertrainings und der beruflichen Fort- und Weiterbildung ignorieren allzu häufig die Überforderungen, die nicht nur von der Berufs- und Arbeitswelt ausgehen, sondern auch von den ihr zuarbeitenden Beratungsinstanzen und Fortbildungsinstitutionen permanent reproduziert werden. Zunehmende Flexibilisierung und erzwungene Mobilität, die damit verbundene Gefährdung langfristiger Lebensplanungen und sozialer Bindungen, der häufige „Verlust bewährter Handlungsorientierungen“, die Infragestellung von persönlichen „Kompetenzen, sozialem Status“, beruflicher Anerkennung und nicht zuletzt von Einkommen und materiellem Lebensstandard führen – so der Mitherausgeber Michael Kastner – zu ganz neuen Anforderungen an individuelle Fähigkeiten wie „Sozialkompetenz, Selbstmanagement, Stressbewältigung und Emotionsmanagement“, über die allein eine „zufrieden stellende Lebensqualität“ und eine immer neue Balance zwischen Arbeits- und Privatleben hergestellt werden kann (S. 16 f). Bei einem neuen Beratungsangebot müsste es demnach gerade darum gehen, die individuellen Ressourcen zur Bewältigung der genannten Herausforderungen entdecken und aktivieren zu helfen. Gefragt sind also einerseits niedrigschwellige und ihrerseits nicht nochmals überfordernde Hilfsangebote zum Selbstmanagement. Andererseits gilt es, dem bei allen Beratungsangeboten drohenden „Versandungsprozess“ von vornherein entgegenzuwirken, „Hilfe nicht in guten Ratschlägen enden zu lassen“ (Kastner, S. 23) http://www.e-beratungsjournal.net/ Bei genau diesen Anforderungen knüpft das Projekt an. Projektleiterin Brigitte Duve und Ludger Drebber, Leiter der arbeitsweltbezogenen Seelsorge in Dortmund machen das in ihrem Beitrag zur Entstehungsgeschichte des Projekts „mensch-arbeit.de“ deutlich (vgl. S. 24 ff.): Das Internet sollte – so die Idee – genutzt werden zur Vernetzung der vielfältig vorhandenen Beratungs- und Seelsorgekompetenz sowie als niedrigschwelliges Medium für die Kommunikation mit den Ratsuchenden. Die Trägerschaft übernahm das Erzbistum Paderborn, als Kooperationspartner und Projektort bot sich die Dortmunder Kommende an, finanziell gefördert wurde das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, die Begleitforschung übernahm der Lehrstuhl für Grundlagen und Theorien der Organisationspsychologie (Prof. Kastner) von der Universität Dortmund. Als „www.mensch-arbeit.de“ im Mai 2002 ans Netz geht, zeigt die Hauptseite ein dreisäuliges Beratungshaus mit der Wahlmöglichkeit zwischen Online- Erstberatung, Online-Seelsorge und einem Marktplatz anerkannter Beratungsstellen. Duve und Drebber berichten in ihrem spannenden „Streifzug durch die Projektgeschichte“ (S. 24-40) über zahlreiche Details von der ersten Idee bis zur Frage, wie das insgesamt erfolgreiche Projekt weitergeführt und vor allem weiterfinanziert werden könnte. Ausgehend von den inhaltlichen Anforderungen stellt Susanne Erbach, die Internet-Redakteurin des Projekts, den Aufbau und die Nutzungsmöglichkeiten des Portals mit seinen vier Türen vor. Zu den genannten drei Optionen war als viertes die (später vielgenutzte und vielgelobte) „andere Tür“ mit „verschiedene(n) Angebote(n) der Meditation und Selbstbetrachtung“ (S. 45) hinzugekommen. Darüber hinaus umfasst die Homepage noch die Bereiche „Aktuelles“ (z.B. Hinweise auf Veröffentlichungen), „Chat“ (mit einem offenen Chat-Raum und der Möglichkeit zu geschütztem Zweier-Chat), „Mitarbeiter-Chat“ (nur über Kennwort für projekt-interne Mitarbeiter zugänglich), „Ihre Meinung/Forum“ (Feedback-Formular), „Das Projekt“, (Sinn und Zweck, über das Team, über die Kooperationspartner) sowie „Kontakt und Impressum“ (vgl. S. 48-51). Für alle Beratungsanbieter, die das Internet zusätzlich oder effektiver nutzen möchten, bietet der Beitrag „Aufbau eines Beratungsportals“ von Duve und Erbach zahlreiche praxisnahe Tipps. Zahlreiche Schwierigkeiten und Strategien zu ihrer Überwindung sind angesprochen: von der Konzept- und Planungsphase bis zur fortdauernden Qualitätssicherung, von der Umfeldanalyse über rechtliche Fragen bis zu Marketingüberlegungen; viele Hürden wurden erst im konkreten Umsetzungsprozess sichtbar, ebenso mögliche Lösungen. Über potentielle und tatsächliche Nutzer von mensch-arbeit.de referieren Anja Höcke, Anja Borowczak, Berthold Iserloh (vgl. S. 81-91), das Mitarbeiterteam vom Lehrstuhl für Grundlagen und Theorien der Organisationspsychologie. Sie beziehen sich dabei auf Befragungen der Berater wie auch der Ratsuchenden. Deutlich wird u.a., dass das Gros der Nutzer zwischen 30 und 40 Jahre alt ist, dass sehr viele unterschiedliche Berufe vertreten sind, etwa gleich viele Männer und Frauen, eine Mehrheit von Katholiken wie auch eine Mehrzahl von NRWBürgern (beides wohl aufgrund der beschränkten Öffentlichkeitsarbeit). Das praktizierte Beratungskonzept (wie es Drebber, Duve und Borowczak vorstellen, vgl. S. 92-127) orientiert sich an der aktuellen Situation gesellschaftlicher Deregulierung, lebensweltlicher Fragmentierung, individueller Sinnsuche und Lebensbewältigung mit permanentem Baustellencharakter. Beraten wird zu ganz unterschiedlichen Themen und individuellen Problemlagen nach dem „übergreifenden und sondierenden Ansatz“ (S. 96); Ziel ist es einerseits, beizutragen zu einem individuellen „biografiegestaltenden Selbstmanagement“ des Ratsuchenden, andererseits aber auch das „handlungsfeldspezifische Wissen“ und die „feldspezifische Kompetenz“ (S. 98) der verschiedenen Berater als unterstützendes Angebot zur Verfügung gestellt. Das mache es – so die Autoren – notwendig,
Die Seelsorge wird in diesem Kontext verstanden „als ergänzender Baustein“, der dem „Angenommensein“ des Ratsuchenden durch den Berater eine zusätzliche, über diese Beziehung hinaus reichende „Bedeutungstiefe“ verleihen könne (S. 100 f). Zum
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