26. Jahrgang - Sonderheft 1/2005: "Kinderverhaltenstherapie"

Aggressiv-dissoziale Störungen und rechtsextreme Einstellungen: Prävalenz, Geschlechtsunterschiede, Verlauf und Risikofaktoren

Wolfgang Ihle, Günter Esser, Martin H. Schmidt


Zusammenfassung
Fragestellungen: 1) Prävalenz, Geschlechtsunterschiede, Persistenz, Stabilität und Verlauf aggressiv-dissozialer Störungen, 2) Generations- und Geschlechtsunterschiede rechtsextremer Einstellungen und 3) gemeinsame und unterschiedliche Prädiktoren für aggressiv-dissoziale Störungen und rechtsextreme Einstellungen. 
Methode: Prospektive Längsschnittstudie von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter. 
Ergebnisse: Aggressiv-dissoziale Störungen stellen mit einer Lebenszeitprävalenz von 22,4% bis zum Alter von 25 Jahren die häufigste psychische Störung bei Kindern und Jugendlichen dar. Diese treten vor allem beim männlichen Geschlecht auf und weisen ungünstige Verläufe auf. Vorläufer von Störungen des Erwachsnenalters lassen sich bis ins Grundschulalter zurückverfolgen. Widrige familiäre Verhältnisse und frühere externalisierende Störungen sind die stärksten Prädiktoren für aggressiv-dissoziale Störungen, wohingegen rechtsextreme Einstellungen am höchsten mit niedriger Intelligenz und schulischem Misserfolg korrelieren.
Schlussfolgerungen: Die Notwendigkeit früh einsetzender Angebote zur Prävention aggressiv-dissozialer Störungen wird betont. Diese sollten sich besonders an benachteiligte Familien richten (Ziel: Stärkung von Ressourcen der Familien und der Kinder).

Schlüsselwörter: Aggressiv-dissoziale Störungen, rechtsextreme Einstellungen, Verlauf, Geschlechtsunterschiede, Risikofaktoren, Längsschnittstudie, Kinder und Jugendliche, Erwachsene


Conduct disorders and rightist attitudes: Prevalence, sex differences, course and risk factors

Abstract: Objectives: 1) Prevalence, sex differences, persistence, stability and course of conduct disorders, 2) generation and sex differences of rightist attitudes and 3) common and varying predictors of conduct disorders and rightist attitudes. Methods: Prospective longitudinal study from childhood to early adulthood. Results: Conduct disorders are the most frequent mental disorders in children and adolescents (lifetime prevalence rate of 22.4% until age 25). Conduct disorders are more common in boys, showing unfavourable courses. Precursors of disorders in adulthood can be detected at age 8 years. Adverse family factors and early externalizing problems were most predictive for conduct disorders, whereas low intelligence and school failure were most predictive for later rightist attitudes. Conclusions: The findings show the urgent need for strengthening early prevention of conduct disorders. The main focus should be on socially disadvantaged families (goal: strengthening family and child resources).

Key words: conduct disorders, rightist attitudes, course, sex differences, risk factors, longitudinal study, children and adolescents, adults

Dr. Ihle
Akademie für Psychotherapie u. Interventionsforschung u. Institut für Psychologie
Universität Potsdam
Postfach 60 15 53
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Tel.: 0331 – 977 2843
E-mail: ihle@rz.uni-potsdam.de


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