25. Jahrgang - Heft 2/2004

Psychosoziale Auswirkungen von Magenrestriktionen zur Behandlung extremen Übergewichtes: Ergebnisse einer Zwei-Jahres-Katamnese
Ingrid Reiffen, Josef Rogner, Frank Bröhl, Alfred Wirth


Zusammenfassung. Adipositas dritten Grades (BMI>40 kg/m²) geht mit erheblichen gesundheitlichen sowie psychosozialen Beeinträchtigungen einher. Da sich konservative Behandlungsversuche als langfristig wenig wirksam erwiesen haben, werden in der evidenzbasierten Leitlinie zur Therapie der Adipositas chirurgische Magenrestriktionen empfohlen. 39 Patienten, die sich einer Magenrestriktion unterzogen, wurden über einen Zeitraum von zwei Jahren nachuntersucht. Die Datenerhebungen fanden zu drei Zeitpunkten statt: vor der Operation, 9 und 24 Monate postoperativ. Es wurden 46 Patienten in die Studie aufgenommen, von denen 39 (85%) über den gesamten Zeitraum nachbefragt werden konnten. Die Patienten erzielten eine starke Gewichtsreduktion. Der BMI sank von durchschnittlich 50,4 kg/m2 auf 35,8 kg/m2 nach 24 Monaten. Insgesamt zeigten sich deutliche positive Effekte auf psychosoziale Parameter. Die Depressivität war signifikant rückläufig und das Essverhalten verbesserte sich signifikant (mehr kognitive Kontrolle, weniger Störbarkeit und Hungergefühle). Körperliche Beschwerden gingen signifikant zurück und die Lebenszufriedenheit stieg in zwei Bereichen bedeutsam an. In mehreren Lebensbereichen wurde das Übergewicht seltener als Problem empfunden. Nach zwei Jahren gaben 37 der 39 Patienten (95%) an, dass sie sich erneut für den Eingriff entscheiden würden.

Schlüsselwörter: Adipositas, chirurgische Therapie, Längsschnittstudie, Depressivität, Essverhalten, Lebensqualität


Psychological and social Effects after gastric restriction surgery for extreme Obesity: Results from a 2-year longitudinal study

Abstract. Persons with extreme obesity (BMI>40) suffer from considerable health risk as well as psychological and social impairments. Since a conservative regimen has failed to prove effectiveness, surgical treatment is becoming more accepted. Thirty nine patients undergoing bariatric surgery (ASGB or VBG) took part in two follow-up examinations, 9 and 24 months after the operation. The drop out-rate was 15% (7 out of 46). Patients had a substantial weight loss. Their mean BMI sank from 50,4 to 35,8 kg/m². Depressivity decreased and eating behaviour improved (more cognitive control, less disinhibition and hunger). Physical complaints diminished and quality of life increased in some areas. Patients less often felt that their obesity was a problem. 37 out of 39 patients (95%) would again decide for the surgical treatment. 

Key words: Obesity, bariatric surgery, longitudinal study, depressivity, eating behaviour, quality of life

 

Dipl.-Psych. Ingrid Reiffen
Universität Osnabrück
Fachbereich Humanwissenschaften
Lehreinheit Psychologie
Knollstr. 15
D-49069 Osnabrück
E-mail: ireiffen@uos.de


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