24. Jahrgang - Heft 3/2003

Wie sozial kompetent sind Patientinnen mit Borderline Persönlichkeitsstörung ?
Babette Renneberg, Michaela Mücke, Hanna Wallis, Thomas Fydrich, Christine Thomas


Zusammenfassung. In der vorliegenden Studie wird die soziale Kompetenz von Patientinnen mit Borderline Persönlichkeitsstörung (BPS) unter folgenden Fragestellungen untersucht: Unterscheiden sich Patientinnen mit BPS (n=30) von depressiven Patientinnen (n=25) und einer Gruppe klinisch unauffälliger Frauen (n=30) hinsichtlich ihrer sozialen Kompetenz? Variiert die gezeigte soziale Kompetenz von Patientinnen mit BPS in Abhängigkeit von der momentanen emotionalen Befindlichkeit? Wie hängen die beobachtete soziale Kompetenz und Selbsteinschätzungen hinsichtlich des interaktionellen Verhaltens zusammen? Zur Beantwortung dieser Fragestellungen wurden Gespräche zwischen den Untersuchungsteilnehmerinnen mit ihnen unbekannten Gesprächspartnerinnen direkt im Anschluss an eine Emotionsinduktion auf Video aufgenommen und mittels der Ratingskala für soziale Kompetenz (RSK, Fydrich & Bürgener, 1999) ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass sich beide klinische Gruppen sowohl durch eine geringere nonverbale soziale Kompetenz als auch durch eine negativere Bewertung des eigenen Gesprächsverhaltens von den klinisch unauffälligen Kontrollpersonen unterscheiden. Nur in der Gruppe der Patientinnen mit BPS zeigte sich ein Einfluss der Emotionsinduktion auf die nonverbale Kompetenz: Hinsichtlich der Sprache (Tonhöhe, Modulation und Betonung) waren sie nach negativer Emotionsinduktion weniger kompetent als nach positiver. Der Einfluss der emotionalen Befindlichkeit zeigte sich ebenfalls in der Wahrnehmung der Zugewandtheit der Gesprächspartnerin: BPS-Patientinnen empfanden ihre Gesprächspartnerin nach negativer Emotionsinduktion als zugewandter als nach positiver Emotionsinduktion. Damit unterschieden sie sich signifikant von der Kontrollgruppe und den depressiven Patientinnen.

Schlüsselwörter: Borderline Persönlichkeitsstörung, Depression, soziale Kompetenz, Emotionsinduktion


Social Competence in Borderline Personality disorder

Abstract. In the present study differences in social competence in a group of patients with borderline personality disorder (BPD, n=30), depressed patients (n=25) and a non-clinical control group (n=30) are investigated. Does the observed social competence depend on current emotional state? How are self-ratings of an interaction and the observed social competence related? To answer these questions, interactions of participants with a female confederate were video-taped. Social competence was assessed using a rating scale for social performance (RSK, Fydrich & Bürgener, 1999). Both clinical groups showed lower social competence than the non-clinical comparison group. Furthermore, clinical participants judged their own behavior more negatively than non-clinical participants. An impact of the emotion induction was observed in the group of BPD patients only: the "speech" (tone, modulation) of BPD patients was rated less competent after negative mood induction compared to their "speech" after positive mood induction. Furthermore, BPD patients rated their interaction partners as more engaged after negative mood induction than after positive mood induction. In this regard, they differed significantly from depressed patients and non-clinical participants.

Key words: borderline personality disorder, depression, social competence, emotion induction


PD Dr. Babette Renneberg
Psychologisches Institut der Universität Heidelberg
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