24. Jahrgang - Heft 1/2003

Einfluss von Krankheitsbewältigung und Körperwahrnehmung auf Phantomschmerz, Phantomgefühl und Beschwerdefreiheit nach Amputationen
Ingeborg Pucher*, Oskar Frischenschlager*, Ilse Kryspin-Exner**
* Institut für Medizinische Psychologie, Universität Wien, Österreich
** Arbeitsgruppe Klinische und Gesundheitspsychologie, Institut für Psychologie der Universität Wien, Österreich


Zusammenfassung. Basierend auf multikausalen Ätiologiemodellen wurde in der vorliegenden Studie ein möglicher Zusammenhang zwischen der Bewältigung einer Amputation sowie der Körperwahrnehmung (Körperbildzeichnungen, körperbezogene Assoziationen) und dem Auftreten von postoperativen Phantomerlebnissen überprüft. Insgesamt wurden 60 stationäre Patienten einer Rehabilitationseinrichtung nach der Amputation eines oder beider Beine untersucht.
In den Berner Bewältigungsformen (BEFO) sind tendenzielle Unterschiede zwischen den drei Gruppen (Patienten mit Phantomschmerz, mit Phantomsensationen und Beschwerderdefreie) nachweisbar. Das Item "Hadern und Selbstbedauern" ist in der Gruppe der Schmerzpatienten signifikant häufiger vertreten. Experten schätzten die Gruppe der beschwerdefreien Patienten anhand von Interviews als diejenige mit den günstigsten Krankheitsbewältigungsstrategien ein. Für Patienten mit Phantomschmerz war retrospektiv die "psychische Belastung und Betroffenheit durch die Amputation" am größten. Hinsichtlich der Körperwahrnehmung zeigt sich, dass sich Patienten, die unter Phantomschmerz leiden, häufiger unversehrt zeichneten als beschwerdefreie und dass Patienten mit Phantomschmerzen von unabhängigen Ratern ein signifikant schlechterer Bezug zum eigenen Körper attestiert wurde als beschwerdefreien.

Schlüsselwörter: Amputation, Phantomschmerz, Krankheitsbewältigung, Körperwahrnehmung


Coping and body perception in patients suffering from phantom limbs

Abstract. Based on multicausal theories of etiology the present study focuses on the possible relation of coping with an amputation and perception of the own body with postoperative phantom experiences. Sixty inpatients were evaluated after amputation of one or both lower limbs by different methods (Berner Bewältigungsformen, semistructured interviews; drawings of the body and body related sentences).
The coping questionnaire revealed small discrepancies between the three groups of patients (with phantom limb pain, with phantom limbs and without complaints). Only the item "quarrel with one’s fate and pity" was seen significantly more often in the group of patients with pain. Patients, who had no complaints were seen by expert rating as the ones with the best coping strategies. Patients with phantom limb pain are the ones, who reported the most psychological distress by the fact of amputation. Bodyawareness showed in drawn body image that patients suffering from phantom limb pain drew themselves more often integer. Significant differences were seen in the reference to the body. Patients with phantom limb pain were rated by independent experts to have worse reference to their body as painfree ones.

Key words: amputation, phantom limb pain, body perception, coping


Mag. Ingeborg Pucher
Universität Wien
Institut für Medizinische Psychologie
Severingasse 9
A-1090 Wien



PABST SCIENCE PUBLISHERS
Lengerich, Berlin, Bremen, Riga, Rom, Viernheim, Wien, Zagreb
Verlagslogo