23. Jahrgang - Heft 4/2002

Die Effektivität stationärer Intensivschulungen von Typ 1-Diabetikern
Artur Hatzfeld, Joachim Brückel, Jochen Haisch


Zusammenfassung. 107 Patienten mit Typ 1-Diabetes mellitus nahmen an einer jeweils zwölftägigen stationären strukturierten Diabetestherapie teil. 68 Patienten wurden in acht Schulungsgruppen eingeteilt und erhielten neben einer intensiven Schulung ein vier Stunden umfassendes Motivationsprogramm, in welchem psychosoziale Hemmnisse der Patienten beim Selbstmanagement des Diabetes mellitus mit dem Ziel der langfristigen Stabilisierung der Schulungseffekte bearbeitet wurden. 39 Patienten wurden fünf Schulungsgruppen zugewiesen; diese erhielten bei gleichem Schulungsumfang nur die Intensivschulung. Der Gesamt-Zeitaufwand war für alle Gruppen identisch. Die Studienteilnehmer wurden jeweils zu Beginn, am Ende und drei Monate nach der strukturierten Diabetestherapie zu blutzucker- und lebensqualitätsbezogenen Einschätzungen befragt. Die objektive Kontrolle der Blutzuckereinstellung erfolgte durch die HbA1c-Werte, welche jeweils unmittelbar vor und drei Monate nach der Teilnahme an der Intensivschulung erhoben wurden.
Alle Patienten halten ihre Blutzuckereinstellung nach der strukturierten Diabetestherapie und zum Zeitpunkt der Katamnese für wichtiger und glauben, ihre Blutzuckerwerte besser unter Kontrolle zu haben. Damit einher geht auch eine reduzierte Furcht vor Unterzuckerungen. Die Diabetiker fühlen sich in ihrer Lebensqualität weniger beeinträchtigt, doch nur die Gruppen mit Motivationsprogramm räumen vielfältigen Lebensumständen - und damit nicht kontrollierbaren Faktoren - weniger Einfluss auf die individuelle Stoffwechselführung ein. Darüber hinaus ist bei den motivational unterstützten Gruppen eine etwas günstigere Entwicklung der HbA1c-Werte zu verzeichnen.

Schlüsselwörter: Typ 1-Diabetes, stationäre Schulung, psychosoziale Hemmnisse


Effectivity of IDDM in patient education

Abstract. 107 type 1 diabetic patients treated with ICT (17–64 years), participated in an in-patient intensive diabetes treatment and education program (DTEP). 8 groups with a total of 68 patients received a DTEP with an integrated four-hour motivational support module (DTEP-M) without extending the total time spent on training or in hospital. This motivational support module dealt with psychosocial factors potentially endangering effective self-management of diabetes with regard to long-term stabilization of positive training effects. 5 training groups (n = 39) without this motivational support module served as controls (DTEP-C). Participants were asked to asses the importance of selfmanagement and metabolic control and to complete a QoL-questionnaire. These data were collected before (t0), at the end (t1) and three months (t2) after the in-patient intensive training.
After DTEP (t1 and t2) control of blood glucose in the near-normoglycemic range was considered to be more important than before, and the participants felt more confident to realize this control with less fear of hypoglycemia, and QoL was considered to be less restricted. The influence of uncontrollable external factors was considered to be less important after motivational support and the development of HbA1c tended to be slightly more favourable.
Motivational support seems helpful to stabilize these effects of an intensified treatment program, to ensure patients in their management regimen and to make them feel less dependent on external factors.

Key words: Insulin Dependent Diabetes Mellitus (IDDM), in-patient education, psychosocial barriers


Prof. Dr. Jochen Haisch
Universität Ulm
Abteilung Allgemeinmedizin
Helmholtzstrasse 20
D-89081 Ulm
E-mail jochen.haisch@medizin.uni-ulm.de



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