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23. Jahrgang - Heft 3/2002
Latente Inhibition: Grundlagen und klinische Aspekte Dieter Vaitl Zusammenfassung. Latente Inhibition (LI) beschreibt ein Sonderphänomen des assoziativen Lernens: Wird ein Reiz mehrmals ohne jede Konsequenz dargeboten, bevor er in einer Konditionierungsphase als konditionierter Stimulus (CS) mit einem unkonditionierten (US) gepaart wird, schwächt sich seine Assoziabilität mit dem US ab. Dies führt bei instrumentellen Untersuchungsansätzen zu sensumotorischen Leistungsminderungen und beim klassischen Konditionieren autonomer Funktionen zu einer Abschwächung der Konditionierungseffekte. Der Schwerpunkt des Beitrags liegt auf diesen letzteren Methoden zur Bestimmung der LI. In mehreren Untersuchungen ließ sich in den konditionierten elektrodermalen, vasomotorischen und kardialen Reaktionen von gesunden Probanden der Effekt einer LI nachweisen. Abgeschwächt war die LI bei Personen, bei denen das Persönlichkeitsmerkmal "Schizotypie" stark ausgeprägt war. Ferner zeigten Untersuchungen an schizophrenen Patienten, dass LI bei medizierten schizophrenen Patienten und gesunden Kontrollpersonen vorhanden war, nicht aber bei unmedizierten Patienten und solchen, bei denen sich die Schizophrenie zum ersten Mal manifestierte. Eine wichtige Rolle bei diesen veränderten Aufmerksamkeitsprozessen kommt u.a. dem dopaminergen Neurotransmissions-System in den Basalganglien zu, wie eine Untersuchung mit der Single Photon Emission Computer Tomography (SPECT) gezeigt hat. Am Schluss des Beitrags steht eine kurze Übersicht über die verschiedenen Erklärungsansätze zum Phänomen der LI, wobei dem "switching"-Modell von I. Weiner (1990) ein gewisser heuristischer Wert zukommt, wenn es darum geht, die LI mit Hilfe der klassischen Konditionierung autonomer Funktionen zu bestimmen und die psychopathologischen Auffälligkeiten in den LI-Maßen zu erklären. Schlüsselwörter: Assoziationslernen,
Konditionierung, Aufmerksamkeit, Schizotypie, Schizophrenie Latent inhibition: Basic aspects and clinical application Abstract. Latent inhibition (LI) describes a special phenomenon of associative learning: if a stimulus is presented several times without any consequence before it is paired as a conditioned stimulus (CS) with an unconditioned stimulus (US) in a conditioning phase, it will lose its associability with the US. In instrumental conditioning paradigms, this impairs the sensumotor performance, and in Pavlovian conditioning of autonomic functions, it results in attenuation of the conditioning effects. The emphasis of this chapter are the latest methods for assessment of the LI. In numerous studies it was possible to prove an LI effect in the conditional electrodermal, vasomotor, and cardiac responses of healthy subjects. LI was retarded in those healthy subjects who score high on questionnaire measures of schizotypy. Moreover, examinations of schizophrenic patients showed that LI was present in medicated schizophrenic patients and healthy control persons, but not in non-medicated patients and first-episode patients. As a study using Single Photon Emission Computer Tomography (SPECT) has shown, the dopaminergic system in the basal ganglia and its asymmetry plays an important role in the retardation of LI effects. The chapter concludes with a short synopsis discussing the different approaches to explain the LI phenomenon, whereas the "switching"-model of I. Weiner (1990) has a certain heuristic value, with regard to the assessment of LI by means of classical conditioning of autonomic functions and its underlying psychopathological processes. Key words: associative learning, conditioning, attention, schizotypy, schizophrenia Prof. Dr. Dieter Vaitl
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