22. Jahrgang - Heft 4 - 2001

Einbeziehung des sozialen Umfeldes in die medizinisch-orthopädische Rehabilitation – Konzeptuelle Chancen und ihre bisherige Umsetzung
Wolfgang Bürger, Stefan Dietsche, Matthias Morfeld, Uwe Koch
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg


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1. Hintergrund und Problemstellung

Medizinische Rehabilitation bezeichnet Hilfestellungen für Menschen mit bestehenden oder drohenden chronischen Erkrankungen oder Behinderungen . Dabei sollen Beeinträchtigungen oder Einschränkungen in persönlichen, sozialen und beruflichen Bereichen beseitigt, verhindert oder weitestgehend minimiert werden. Entsprechend spielt das Umfeld der Betroffenen eine wichtige Rolle für die Behandlung. Von Bedeutung sind in diesem Zusammenhang nicht nur das soziale Umfeld im engeren Sinne – wie Partner und Familie sowie Freunde und Bekannte –, sondern auch das berufliche Umfeld und vor allem die behandelnden Ärzte und Therapeuten sowie zahlreiche relevante Kontaktpersonen aus den Bereichen Krankenkassen und Rentenversicherungsträger, Beratungsstellen, Behörden etc. Eine der Herausforderungen im Rahmen rehabilitativer Bemühungen besteht darin, dieses soziale Umfeld in seiner Bedeutung und seinem Einfluss auf den Krankheitsverlauf zu berücksichtigen und ggf. in die Behandlung einzubeziehen. Der Gesetzgeber formuliert in diesem Sinne deshalb in dem neu gefassten neunten Buch des SGB (Kap. 4, § 26) u.a. auch, dass Leistungen zur medizinischen Rehabilitation Information und Beratung von Partnern und Angehörigen umfassen sollten .

Im Zusammenhang mit der Einbeziehung des sozialen Umfeldes bieten verschiedene rehabilitative Versorgungsformen unterschiedliche Voraussetzungen . So bestehen bei wohnortnah durchgeführten Rehabilitationsmaßnahmen prinzipiell bessere Möglichkeiten einer Vernetzung mit anderen Angeboten des Gesundheits- und Sozialsystems. Ambulante Formen der Rehabilitation können Vorteile bieten, die sich vor allem aus dem Verbleib im häuslichen, beruflichen und sozialen Umfeld ergeben. Auch die Möglichkeit der parallelen Berufstätigkeit und des unkomplizierteren Einbezugs von Angehörigen, sowie die Tatsache, dass, durch die tägliche Rückkehr in das gewohnte Umfeld, dort bestehende Schwierigkeiten beim Transfer des während der Rehabilitation Gelernten leichter berücksichtigt und bearbeitet werden können, sprechen für eine solche Form des rehabilitativen Angebotes. Stationäre Formen der Rehabilitation bieten dagegen prinzipielle Vorteile, die sich insbesondere aus der Distanz zum alltäglichen Umfeld und aus erleichterten Kontakten zu Mitpatienten ergeben.

Allerdings stand die konzeptuelle Umsetzung dieser prinzipiellen Vorteile bei der bisherigen Entwicklung ambulanter Versorgungsformen nicht im Vordergrund. Vielmehr wurde eine weitgehende Entsprechung ambulanter und stationärer rehabilitativer Angebote gefordert. Hintergrund hierfür dürften vor allem Qualitätsüberlegungen dahingehend sein, dass ambulante Formen der Rehabilitation ebenso wie stationäre Angebote einen umfassenden und interdisziplinären Rehabilitationsansatz anstreben sollten. Es ist aber zu erwarten, dass mit einem zunehmenden Ausbau qualitätsgesicherter ambulanter rehabilitativer Versorgungsangebote die Ausschöpfung solcher prinzipieller konzeptueller Möglichkeiten zunehmend an Bedeutung gewinnt, auch um die differentiellen Vorteile der verschiedenen Versorgungsformen besser als bisher nutzen zu können.


2. Fragestellungen

Im folgenden Beitrag soll am Beispiel der orthopädischen Rehabilitation untersucht werden, wie im Rahmen der stationären und unterschiedlicher ambulanter Versorgungsformen das soziale Umfeld einbezogen wird.

Im Einzelnen soll geprüft werden, ob in gegenwärtigen Modellen der ambulanten Rehabilitation im Vergleich zur stationären Rehabilitation vermehrt Kontakte zu Vor- und Nachbehandlern, Arbeitgebern sowie anderen relevanten Personen aus dem sozialen Umfeld des Patienten geknüpft werden und inwieweit Angehörige von Patienten häufiger in die Behandlung einbezogen werden.



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