22. Jahrgang - Heft 4 - 2001

Soziale Unterstützung und Depression
Thomas Klauer1, Ralf Schwarzer2
1
Zentrum für Nervenheilkunde der Universität Rostock,
2Freie Universität Berlin


- Seite 1/12 -

Zusammenfassung. Die Beziehung zwischen sozialer Unterstützung und Depression wird aus verschiedenen Blickrichtungen betrachtet. Typischerweise erhält man deutliche negative Korrelationen zwischen diesen Merkmalen, was jedoch keinen Aufschluß über die Kausalrichtung zuläßt. Daher wird hier eine konzeptuelle und empirische Übersicht über die Befundlage geliefert, die über einfache Zusammenhänge hinausgeht. Vor allem wird eine Differenzierung nach Empfänger und Sender vorgenommen sowie der sozialen Interaktion zwischen beiden. Sozialkognitive und interpersonale Modelle der Depression werden daraufhin geprüft, inwieweit soziale Unterstützung – oder allgemeiner die Interaktion – ursächlich mit der Depression im Zusammenhang stehen. Dyadische Interaktion, vor allem in kritischen Situationen, wird hier diskutiert, auch im Hinblick auf die Mobilisierung von Support durch den Empfänger. Zur Illustration des Gegenstands werden Befunde aus verschiedenen Studien zitiert. Das Problem der Konstruktüberlappung wird im Kontext von weiteren Forschungsdesiderata erörtert.

Schlüsselwörter: soziales Netzwerk, soziale Unterstützung, Depression, Coping


Social Support and Depression

Abstract. The relationship between social support and depression is viewed from different perspectives. Substantial negative correlations between these two constructs are commonplace but this does not entail a straightforward causal effect. Therefore, a conceptual and empirical review is given that goes beyond a mere correlational association among these variables. A theoretical elaboration is proposed that considers the recipient and the provider of support as well as their interaction. Social-cognitive and interpersonal models of depression are examined in terms of their implicit understanding of social support. The role of dyadic interaction, in particular in stress situations, is given attention which includes the notion of active support mobilization by the recipient. Data from different studies are cited to illustrate the problem. The dilemma of construct overlap as well as future directions of research are discussed.

Key words: social network, social support, depression, coping



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