VERHALTENSTHERAPIE & VERHALTENSMEDIZIN

22. Jahrgang / Heft 1 - 2001


Adaptivität und Maladaptivität der Krankheitsverarbeitung bei Patienten mit subjektivem chronischen Tinnitus
Kim v. Osterhausen, Bernd Keßler, Roberto D’amelio, Wolfgang Delb
Universität des Saarlandes, Saarbrücken

Zusammenfassung. Die meisten Tinnitusbetroffenen fühlen sich wenig beeinträchtigt und nur ein geringer Prozentsatz leidet erheblich unter den Ohrgeräuschen. Dabei läßt sich der Beeinträchtigungsgrad nicht durch Unterschiede hinsichtlich des wahrgenommenen Geräuschs erklären. Hier stellt sich die Frage, welche psychologischen Faktoren für diese Unterschiede verantwortlich sein könnten. Ziel der vorliegenden Studie ist es, die Effektivität der Krankheitsverarbeitung von Patienten mit chronischen Ohrgeräuschen zu untersuchen. Ferner soll die Effektivität der Kausalattribution und der Kontrollüberzeugung dargestellt werden. Die Stichprobe wurde aus diesem Grund in zwei Gruppen unterteilt: Patienten mit niedriger Tinnitusintensität und starker Belästigung durch das Ohrgeräusch sowie Patienten mit hoher Tinnitusintensität und geringer Belästigung durch das Ohrgeräusch. Diese Gruppenzugehörigkeit wurde als Kriterium für die Effektivität der Krankheitsverarbeitung bestimmt: Betroffene, die trotz hoher Tinnitusintensität gering belästigt sind, scheinen eine günstige, adaptive Form der Krankheitsverarbeitung gefunden zu haben. Patienten, die trotz niedriger Tinnitusintensität stark belästigt sind, wird dementsprechend eine ungünstige, maladaptive Form der Krankheitsverarbeitung unterstellt.
Es konnten sechs maladaptive und keine adaptiven Bewältigungsformen identifiziert werden.

Schlüsselwörter: Tinnitus, Krankheitsverarbeitung, Effektivität

Kim v. Osterhausen
Universität des Saarlandes
Universitätsklinik für
Psychiatrie und Psychotherapie
Homburg/Saar
E-mail: osterhausen@web.de

Dr. Bernd Keßler
Universität des Saarlandes
FR Psychologie
Klinische Psychologie
Postfach 151150
66041 Saarbrücken
E-mail: b.kessler@mx.uni-saarland.de

Roberto D’Amelio
Universität des Saarlandes
Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Homburg/Saar

Dr. Wolfgang Delb
Universität des Saarlandes
Universitäts- und Poliklinik für HNO-Heilkunde, Homburg/Saar


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