VERHALTENSTHERAPIE & VERHALTENSMEDIZIN

22. Jahrgang / Heft 1 - 2001


Die Erinnerungsleistung für Nahrungsworte als Indikator gestörter Sättigungsregulation bei Bulimia nervosa
Anne Kraft, Reinhard Pietrowsky
Klinische Psychologie, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Zusammenfassung. Bulimikerinnen weisen eine gedankliche Fixierung auf Nahrungsreize auf. Im vorliegenden Experiment diente die unmittelbare Erinnerungsleistung für Nahrungsreize in Abhängigkeit von Hunger und Sattheit als Indikator der Abhängigkeit dieser kognitiven Fixierung von Hunger und Sattheit. Die Erinnerung von Nahrungswörtern und Wörtern ohne Nahrungsbezug wurde zwischen Patientinnen mit Bulimia nervosa und gesunden Kontrollpersonen im hungrigen, durstigen und satten Zustand verglichen. Im satten Zustand erinnerten die Kontrollpersonen signifikant weniger nahrungsbezogene Wörter als im hungrigen Zustand. Die Patienten mit Bulimia nervosa erinnerten im hungrigen und satten Zustand etwa gleichviel nahrungsbezogene Wörter. Die Erinnerungsleistung für Wörter ohne Nahrungsbezug unterschied sich nicht zwischen beiden Gruppen. Die Ergebnisse zeigen, daß die Regulation von Sättigung bei Patienten mit Bulimia nervosa gestört zu sein scheint, was in einer permanenten Fixierung auf Nahrungsreize, unabhängig vom aktuellen Ernährungszustand, resultiert.

Schlüsselwörter: Bulimia nervosa, Gedächtnisleistung, Nahrungsreize, Motivation, kognitive Fixierung auf Nahrungsreize

Dr. Reinhard Pietrowsky
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Abteilung Klinische Psychologie
Universitätsstraße 1
D-40225 Düsseldorf
E-mail: pietrows@uni-duesseldorf.de


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