VERHALTENSTHERAPIE & VERHALTENSMEDIZIN

22. Jahrgang / Heft 1 - 2001


Macht die Natur Sprünge?
Diskontinuität und kritische Fluktuationen auf dem Weg zum therapeutischen Erfolg
Günter Schiepek, Stefan Weihrauch, Hermann Honermann, Frank Jagdfeld, Friederike Ludwig-Becker, Ernst R. Petzold & Friedebert Kröger
RWTH Aachen

Zusammenfassung. Im Rahmen aktueller Theorien des psychotherapeutischen Veränderungsprozesses hat das Konzept der Destabilisierung von Störungsattraktoren an Kontur gewonnen. Es postuliert das Auftreten sowohl von kritischen Fluktuationen als auch von diskontinuierlichen Übergängen zwischen affektiv-kognitiven Ordnungszuständen. Lernprozesse, wie sie in Psychotherapien auftreten, würden demzufolge nicht im Sinne einer stetigen Zielannäherung oder eines sukzessiven Optimierungsvorganges ablaufen, sondern sprunghaft, in Kaskaden von Ordnungsübergängen. Diese Hypothese wurde im Rahmen eines Projektes zur Dynamik der stationären Psychotherapie geprüft. Es zeigten sich deutliche Zusammenhänge zwischen der Reduktion von Problemen und Beschwerden einerseits und dem Auftreten von Varianzspitzen in den Zeitreihen andererseits. Die Zeitreihen resultieren aus den täglichen Protokollierungen von n=58 Patienten während ihres Klinikaufenthaltes. Die über das Durchschnittsniveau der Varianz hinausragenden Varianzspitzen werden als Hinweis auf kritische Fluktuationen interpretiert. Prozeß- und Ergebnismaße werden somit theoriegeleitet aufeinander bezogen.

Schlüsselwörter: Prozeß-Ergebnis-Forschung, Synergetik, Ordnungsübergänge, Lerntheorie

G. Schiepek
RWTH Aachen
Universitätsklinikum
Klinik für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin
Pauwelstraße 30
D-52057 Aachen


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