| VERHALTENSTHERAPIE &
VERHALTENSMEDIZIN 21. Jahrgang / Heft 3 - 2000
Werte in der Psychologie
und Psychotherapie
Peter Schmuck
Zusammenfassung. Zur Rolle von Werten in der
Psychologie werden bis heute zwei gegensätzliche Positionen
vertreten. Während die positivistische Sicht die Beschränkung
auf Fakten und die Ausblendung von Werten fordert, sieht die
ganzheitliche Sicht menschliche Werte als essentiellen
Gegenstand von psychologischer Forschung und Reflexion. Eine
aktuelle Arbeit, in der die positivistische Perspektive
verteidigt wird (Kendler, 1999), wird auf Stichhaltigkeit überprüft.
Eine Reihe von Argumenten wird angeführt, um die theoretische
Paradoxie und die praktische Unhaltbarkeit positivistischer
Positionen in der Psychologie aufzuzeigen. Zum Beispiel werden
Verschiebungen hin zu egozentrischen Werten als möglicher
Grund für die hohe Rate psychischer Störungen in den
Industrieländern diskutiert. Die Stärkung sozialer und
biozentrischer Werte wird als Chance zur Umsetzung
nachhaltiger Lebensmuster vorgeschlagen. Abschließend werden
Implikationen dieser Sicht für die Diskussion von Zielen
psychologischer Therapie vorgestellt.
Schlüsselwörter: Werte,
Therapieziele, Lebensziele, Wohlbefinden, psychische Störungen
PD Dr. Peter Schmuck
Georg-Elias-Müller-Institut für Psychologie
Georg-August-Universität Göttingen
Goßlerstr. 14
D-37073 Göttingen
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