VERHALTENSTHERAPIE & VERHALTENSMEDIZIN

21. Jahrgang / Heft 3 - 2000

Lässt sich die Wirksamkeit von EMG-Biofeedbacktrainining bei Kopfschmerz vom Spannungstyp aus physiodiagnostischen Auffälligkeiten der perikranialen Muskulatur vorhersagen?
Angelika Schiller und Claus Bischoff

Zusammenfassung. Die Leitidee von EMG- Biofeedbacktherapie bei Kopfschmerz vom Spannungstyp (KST) ist die Linderung des Kopfschmerzes durch Reduktion der Muskelspannung. Diese Idee des sogenannten physiologischen Lernens müsste vor allem dann greifen, wenn die perikraniale Muskulatur am Kopfschmerz der Patienten beteiligt ist und wenn sich das EMG- Biofeedback genau auf die physiodiagnostisch auffälligste Muskulatur bezieht. Zu dieser Hypothese gibt es bislang keine Studien. Wir untersuchten in einer prospektiven Studie bei 35 Patienten mit Kopfschmerz vom Spannungstyp insgesamt 18 Kopf- und Halsmuskeln palpatorisch auf muskuläre Auffälligkeit. Der am stärksten veränderte wurde als Trainingsmuskel für eine klassische Biofeedback- Therapie festgelegt. Die Patienten führten während und nach der Behandlung tägliche Protokolle über Kopfschmerzdauer und -intensität. Der Verlauf der EMG- Aktivität wurde im gesamten Zeitraum des Trainings gespeichert. Ergebnis: Zwar reduzierten sich bei den Patienten im Verlauf der Behandlung Muskelspannung und Kopfschmerzen, es fand sich aber kein Zusammenhang zwischen dem Globalwert für muskuläre Auffälligkeiten und den Kennwerten des objektiven und subjektiven Therapieerfolgs, also der Muskel- und der Kopfschmerzaktivität. Die Ergebnisse sprechen gegen das myogene Modell des Kopfschmerzes vom Spannungstyp und gegen das physiologische Lernen als Wirkprinzip von Biofeedback bei der Behandlung dieser Kopfschmerzform.

Schlüsselwörter: Physiodiagnostik, Spannungskopfschmerz, EMG-Biofeedback

Prof. Dr. C. Bischoff
Psychosomatische Fachklinik
Kurbrunnenstr. 12
D-67098 Bad Dürkheim


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