| VERHALTENSTHERAPIE &
VERHALTENSMEDIZIN 21. Jahrgang / Heft 3 - 2000
Biologische
Grundlagen affektiver Störungen
Thomas Köhler
Zusammenfassung.
Nach Einführung in Symptomatik und Verlauf affektiver Störungen
werden wichtige biologische Befunde bei Patienten mit diesen
Symptombildern referiert. Wenig Hinweise gibt es auf
morphologische und funktionelle Hirnveränderungen, am ehesten
noch bei Personen mit Altersdepression. Häufig finden sich
bei Depressiven Veränderungen im endokrinen System,
insbesondere im Regelkreis
Hypothalamus-Hypophyse-Nebennierenrinde, mit Beeinträchtigung
elementarer Rückkoppelungsmechanismen. Zudem zeigen sich
weitgehend charakteristische Veränderungen im Schlaf-EEG
Depressiver, speziell Verkürzung der REM-Latenz, die durch
Gabe von Cholinagonisten noch weiter deutlich verkürzt werden
kann (cholinerge REM-Induktion). Hinweise gibt es auf veränderte
synaptische Übertragung im Rahmen affektiver Störungen, vor
allem auf Vermehrung postsynaptischer Monoaminrezeptoren sowie
auf verminderte Ausschüttung von Serotonin. Die
Monoaminhypothese der Depression nimmt - wenig eindeutig
formuliert - synaptischen Mangel von Serotonin und/oder
Noradrenalin an; für die Manie vermutet man verstärkte
Noradrenalinaktivität bei gleichzeitigem Serotoninmangel.
Die
biologische Behandlung depressiver Zustände geschieht zumeist
pharmakologisch, wobei die üblicherweise eingesetzten
Medikamente (trizyklische Antidepressiva, selektive
Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, MAO-Hemmer) unmittelbar die
synaptische Konzentration von Serotonin und/oder Noradrenalin
erhöhen, langfristig aber wohl durch Verminderung
postsynaptischer Rezeptoren wirken. Einen ähnlichen Effekt dürfte
Elektrokrampftherapie haben, während die Mechanismen von
Schlafentzug und Lichttherapie noch unklar sind. In manischen
Episoden wird mit Neuroleptika oder Lithiumsalzen therapiert;
letztere zeigen auch gute Wirkung in der Vorbeugung affektiver
Episoden.
Schlüsselwörter:
affektive Störungen, Depression, Manie, biologische Befunde,
Monoaminhypothese, biologische Therapie
Prof. Dr. Dr. Thomas Köhler
Psychologisches Institut III
Universität Hamburg
Von-Melle-Park 5
D-20146 Hamburg
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