VERHALTENSTHERAPIE & VERHALTENSMEDIZIN

Heft 3 - 1999

Zur Psychophysiologie der Migräne

Thomas Köhler

Zusammenfassung. Hier sollen speziell psychophysiologische Aspekte der Migräne dargestellt und Implikationen für die klinische Forschung und Praxis diskutiert werden. Ausführlicher behandelt werden dabei die Fragen, ob psychische Belastung Migräneanfälle auslösen kann und ob sich im Sinne einer individualspezifischen Reaktion Migräniker von Gesunden hinsichtlich Gefäßveränderungen auf Belastung unterscheiden. Eine Einführung in Symptomatik und Pathophysiologie des Migräneanfalls liefert zunächst als wichtigstes Ergebnis, daß Veränderungen im Volumen der extra- und intrakraniellen Arterien nicht die ihnen lange zugeschriebene Bedeutung für die Anfallsentstehung haben dürften; es handelt sich wohl eher um sekundäre Reaktionen als Folge neuronaler Prozesse im Hirnstamm. Gut gesichert ist die anfallsauslösende Funktion psychischer Belastung ("Streß"), deren Mechanismus jedoch wenig verstanden wird. Kaum Hinweise gibt es darauf, daß Migräniker durch spezifische Gefäßreaktionen während oder nach Belastung gekennzeichnet sind; angesichts neuerer pathophysiologischer Modelle ist auch die Bedeutung dieses psychophysiologischen Parameters dabei möglicherweise weitgehend irrelevant. Für die klinische Praxis folgt, Verfahren zur Veränderung der Gefäßweite in ihrer Bedeutung nicht zu überschätzen und statt dessen eher Methoden zur Identifikation von pathogenen Stressoren und zur Streßbewältigung einzusetzen.

Schlüsselwörter: Migräne, Pathogenese des Migräneanfalls, Psychophysiologie, individualspezifische Reaktionen, Streß

 

Prof. Dr. Dr. Thomas Köhler
Psychologisches Institut III
Universität Hamburg
Von-Melle-Park 5
D-20146 Hamburg

 


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