VERHALTENSTHERAPIE & VERHALTENSMEDIZIN

Heft 1 - 1999

Thomas Ritz
Psychophysiologische Reaktivität der Atemwege bei Asthma bronchiale

Zusammenfassung. Die Reaktivität der Atemwege, die ein zentrales Charakteristikum des Asthma bronchiale darstellt, war Thema einer Reihe psychophysiologisch relevanter Labor- und Feldstudien. Dabei wurden in erster Linie Veränderungen des Atemwiderstandes unter dem Einfluß psychologischer und Verhaltensprozesse betrachtet. In einem Überblick werden Studien zur Wirkung von körperlicher Aktivität, Suggestionen, Belastungsaufgaben, Emotionen und Emotionsausdruck auf den Atemwiderstand gesichtet und Anhaltspunkte für zugrundeliegende physiologische Mechanismen diskutiert. Körperliche Aktivität wirkt überwiegend bronchodilatorisch, wobei Asthmatiker oft zusätzliche Bronchokonstriktionen in späteren Stadien oder nach körperlicher Verausgabung zeigen. Die Mehrzahl der Studien zu emotionaler Erregung und mentaler Belastung sprechen für deren bronchokonstriktive Wirkung, der gegenwärtige Literaturstand ist jedoch noch widersprüchlich. Im experimentellen Kontext sind Atemwiderstandsreaktionen gesunder Personen oft schwächer als diejenigen der asthmatischen Personen, jedoch qualitativ vergleichbar. Da die Anzahl potentieller Einflußquellen auf den Atemwiderstand groß ist, können Vorhersagen bezüglich der Repräsentativität dieser Ergebnisse für den Alltag der Patienten bisher nur schwer getroffen werden. Künftige experimentelle Studien sollten in stärkerem Maße die Einbettung von Atemwiderstandsveränderungen in die vegetative Regulation und Ventilation beachten sowie deren Zusammenhang mit der unspezifischen Hyperreaktivität der Bronchien untersuchen. Zusätzlich wird ein systematischer Labor-Feldvergleich eingefordert, der Aufschluß über die klinische Bedeutsamkeit der auf experimentellem Weg ausgelösten Atemwegsreaktionen geben kann. Die Perspektiven einer verhaltensmedizinischen Begleitbehandlung bei Asthma bronchiale scheinen weniger in muskulären Entspannungsverfahren als vielmehr in verhaltensaktivierenden Maßnahmen wie körperlichem Training oder in aktiven Selbstsuggestionen zu liegen.

Schlüsselwörter: Asthma, Atemwiderstand, körperliche Aktivität, Anstrengungsasthma, Entspannungsverfahren, Emotionen, Streß, Suggestionen

Dr. Thomas Ritz
Department of Psychology
St. George's Hospital Medical School
Cranmer Terrace, Tooting
London SW17 3HJ, UK



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