VERHALTENSTHERAPIE & VERHALTENSMEDIZIN

Heft 4 - 1998

Luise Greuel

Diagnostisches Vorgehen bei Verdacht auf sexuellen Mißbrauch

Mit Blick auf die potentiell rechtsrelevanten Aspekte der psychosozialen Arbeit mit vermutlich sexuell mißbrauchten Kindern und Jugendlichen werden Empfehlungen für das psychodiagnostische Procedere bei der Abklärung eines Mißbrauchsverdachts ausgesprochen. Es wird für ein hypothesengeleitetes Vorgehen auf der Basis anerkannter wissenschaftlicher Standards plädiert und die Notwendigkeit einer neutralen Grundhaltung auf seiten der DiagnostikerInnen unterstrichen. Für die psychosoziale Praxis werden folgende Empfehlungen ausgesprochen: (1) die sprachliche Mitteilung eines etwaigen Mißbrauchs ist von zentraler Bedeutung für die diagnostische Urteilsbildung; (2) Befragungsdruck und suggestive Einflußnahme müssen unbedingt vermieden werden; (3) aussagepsychologische Methoden können einen wichtigen Beitrag für die psychodiagnostische Urteilsbildung liefern; (4) die psychologische Diagnose sollte primär auf den aktuellen psychischen Status und nicht isoliert auf die Frage nach einem etwaigen Mißbrauch bezogen werden.

Schlüsselwörter: sexueller Mißbrauch, Psychodiagnostik, Aufdeckungsarbeit, Exploration, Suggestion

Dr. Luise Greuel
Universität Bremen
Institut für Psychologie und Kognitionsforschung
Postfach 330 440
D-28334 Bremen, e-mail:
greuel@uni-bremen.de

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