|
VERHALTENSTHERAPIE & VERHALTENSMEDIZIN Heft 4 - 1998 Zur Erfahrungsseelenkunde 1/98 erreicht uns folgender Leserbrief: Lieber Anonymus Dein Beitrag in der Zeitschrift Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin" in Heft 1/1998 beschäftigt mich auf eine ganz besondere Weise. Beim ersten Durchlesen schmunzelte ich, es folgte ein AHA-Erlebnis, und je länger die Zeilen nachwirkten, desto nachdenklicher wurde ich. Es ist zunächst erstaunlich, daß in einer wissenschaftlichen Zeitschrift eine solch ungewöhnliche Überschrift zu lesen ist, und das seit einigen Ausgaben. Auch das Schriftbild ist besonders ausgewählt. Das läßt Raum für Phantasie! ErfahrungsSeelenkunde: Möchte die Seele kundtun, was sie erfahren hat? Möchte sie kundtun, was sie lieber erfahren hätte, als was sie erleben mußte? Fehlt der Seele etwas, möchte sie dieses mitteilen? Oder weiß sie, daß ihr etwas fehlt, nur weiß sie nicht was? Erfahrung: althochdeutsch irfaran, bedeutet reisen, durchfahren, durchziehen, erreichen. Was ist hier gemeint? Lieber Anonymus aus Heft 1/98: Ich bin beeindruckt und überzeugt von der Vielschichtigkeit Eurer Charaktere, von Euren akzentuierten Persönlichkeiten und von Eurer Normalität und der Ehrlichkeit, mit der Du Euer Treffen schilderst. Schon immer war ich der Ansicht, daß eine hohe Sensibilität Menschen wie Dich und Deine Kollegen kennzeichnet, mit dem Preis einer ebensolch hohen Verletzbarkeit und großen Kränkungsmöglichkeit. So achtet jeder genau darauf: Wer zitiert wen, wie oft in seinen Arbeiten, oder: Auslassen, Weglassen wird zur Kränkung. Warum ist das immer noch so wichtig? Es scheinen Wunden zu entstehen oder alte Narben wieder aufzubrechen. Was tut immer noch so weh? Was möchte die Seele da erfahren? Erfährt sie es über wissenschaftliches Arbeiten oder das Besprechen eines besonders interessanten Problems? Reicht ihr das? Oder ist dieser Beitrag als ErfahrungsSeelenkunde ein versteckter Hinweis dafür, daß noch etwas fehlt? Wenn das so ist, dann begrüße ich ihn wärmstens. Was möchte Deine Seele wirklich erfahren? Welche Kunde hat sie nicht erhalten, welche unter- und welche überinterpretiert, daß diese Wunde nicht heilen konnte? Ich bin überzeugt, daß Du weißt, was Dir und den anderen fehlt jeder von Euch weiß es, trotzdem fällt Euch die gegenseitige Anerkennung so schwer. Scheinbar ist wissenschaftliches Arbeiten, Diskutieren, Besprechen eines Themas nicht die richtige Salbe, die genau diese Wunde heilen kann. Vielleicht heißt die Salbe: gegenseitige Würdigung, ehrliche Begegnung? Jeder braucht für seine wissenschaftliche Arbeit die Erkenntnisse und die Akzeptanz des anderen, oder? Euer Umgang miteinander hat meiner Ansicht nach auch Vorbildfunktion. Wenn nicht Du und Deine Mitstreiter, wer soll dann Vorbild für die nächste Generation sein? Bei all dem Witz, der in Deinem Beitrag mitklang, bleibe ich nachdenklich und hoffe, daß es noch andere Wege im Umgang miteinander gibt. Oder ist das Ganze nur ein Spiel" mit Männerregeln und nur für Männer geschrieben Motto: Es macht Spaß, sich gegenseitig abzuwerten, denn daran zeigt sich der Intelligenzquotient? Übrigens: Kennst Du das Kinderbuch Der Boxer und die Prinzessin" von Helme Heine? Es paßt zu diesem Thema. Nur dessen Seele kann von anderen erkannt werden, der seine Rüstung" ablegt. In diesem Sinne verbleibe ich mit einem kollegialen Gruß Anonyma [Pabst Science Publishers] [V&V] [Inhalt] [Impressum]
|